Emmerlich Gunther
„Das Leben ist kurz und seine Zeit zu verlieren ist eine Sünde“, wusste schon der französische Schriftsteller und Dramatiker Albert Camus (1913-1960).
Leben – das heißt seinen eigenen Weg gehen, Träume wahr werden lassen. Das Hier und Jetzt genießen und sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen. Gunther Emmerlich hat sich diese Maxime zu eigen gemacht. Als Sänger, Entertainer, TV-Moderator und Schauspieler ist der Mann mit der unverwechselbaren Stimme nicht mehr aus der deutschen Unterhaltungsszene wegzudenken.
Ob Klassik, Kirchenmusik, Schlager, Jazz oder Swing, der ausgebildete Opernsänger lässt sich nicht in eine Schublade pressen. Zwanzig Jahre lang war der Bass festes Mitglied des Ensembles der Dresdner Staatsoper und brillierte auf den großen Bühnen dieser Welt als Sarastro in der „Zauberflöte“, als Osmin in der „Entführung aus dem Serail“ oder als Bartolo in „Figaros Hochzeit“. Doch damit nicht genug: Auch als Jazz-Sänger und Banjo-Spieler ist der gebürtige Thüringer unschlagbar. Bis zum heutigen Tag swingt er in der 1985 gegründeten Semper House Band, was das Zeug hält.
Den Spagat zwischen ernsthafter und unterhaltender Musik meistert Gunther Emmerlich mit Leichtigkeit. Wie schafft er das bloß? „Einfach machen“, meint der Mann mit dem schelmischen Blick, der am 18. September 2004 sechzig Jahre alt geworden ist. Selbst diesen runden Geburtstag nahm er nicht zum Anlass, einen Augenblick innezuhalten und Bilanz seiner über dreißigjährigen Karriere zu ziehen. „Für Reminiszenzen habe ich keine Zeit. Dafür lebe ich viel zu intensiv“, bekennt der Sänger. Nicht nur beruflich steht er auf Abwechslung, auch die Liste seiner Hobbys ist lang. Tischtennis, Skat, Boccia und Wandern – sein Terminkalender platzt aus allen Nähten. Und wenn er sich doch einmal einen freien Abend gönnt, lässt er den Tag am liebsten ganz gemütlich mit Familie und Freunden bei einem Glas Wein oder Bier ausklingen. „Unser Dasein hier auf Erden ist viel zu kurz, um immer nur dasselbe zu machen“, sagt der Genießer.
Ausdruck dieser Philosophie ist sein brandneues Album „Noah“. In Zusammenarbeit mit dem Produzenten-Team Gerd Köthe und Roland Heck entstand eine einzigartige Mischung aus 14 Volksliedern, Gospelsongs und Schlagern, die den unglaublichen Facettenreichtum des Multitalents Gunther Emmerlich eindrucksvoll widerspiegelt. Gefühlvoll und stark zugleich singt er Traditionals wie „Im tiefen Keller“, „Abendglocken“ und „Der Mond ist aufgegangen“. Friedrich Smetanas Symphonie „Die Moldau“ wird bei ihm zur sanften „Traummelodie“, und mit Titeln wie „Du musst das Leben nehmen wie es ist“ oder „Die Blumen im Garten des Lebens“ unternimmt er einen Ausflug in die Welt des Schlagers.
Auch eine echte Premiere hat die aktuelle Scheibe des vielseitigen Stars zu bieten. Bei drei Titeln ist sein sonorer Bass zum allerersten Mal als reine Sprechstimme zu hören. „Der Traum“, der auf Robert Schumanns „Träumerei“ basiert, bedeutet ihm dabei besonders viel. Gunther Emmerlich erzählt darin die Geschichte eines Mannes, der im Gedankenflug erkennt, dass die wirklich großen Dinge des Lebens oftmals ganz klein sind. „Für mich beinhaltet dieses Lied eine tiefe Weisheit, denn schon eine Blume am Wegesrand kann so viel mehr Freude bereiten, als Gut und Geld, denen alle hinterher japsen.“ Die Fähigkeit, sich trotz all der Hektik und dem Stress unserer schnelllebigen Zeit an Kleinigkeiten zu erfreuen – Gunther Emmerlich hat sie sich bewahrt.
Zu den Highlights des neuen Tonträgers zählen die Neu-Aufnahmen von zwei Erfolgstiteln des legendären Bruce Low. Die Gospelsongs „Noah“ und „Das Kartenspiel“ interpretiert Gunther Emmerlich so, als wären sie eigens für ihn und seine Gänsehautstimme geschrieben. „Diese Stücke zu sprechen war absolutes Neuland für mich und hat riesig Spaß gemacht.“ Auf ungewöhnliche Weise erzählt er im Titellied die Geschichte der Sintflut und wie Mensch und Tier vor dem Untergang gerettet werden. Dabei sind „Noah“ und die ebenfalls religiös inspirierte musikalische Erzählung „Das Kartenspiel“ nicht einfach nur Reproduktionen der Siebziger-Jahre-Hits. Die beiden Lieder sind vielmehr Ausdruck seines christlichen Glaubens, den sich Gunther Emmerlich selbst während der DDR-Zeit nicht nehmen ließ. „Mir war es völlig egal, was erwünscht war und was nicht, ich habe meinen Glauben immer ausgelebt.“
Zu seinen Überzeugungen zu stehen und kein Blatt vor den Mund zu nehmen, gehört zu den grundlegenden Charaktereigenschaften des redegewandten Künstlers. Sogar als Talkmaster der beliebten Live-Sendung „Showkolade“ im einstigen DDR-Fernsehen trug Gunther Emmerlich sein Herz auf der Zunge. „Weil ich in jedem Halbsatz meine Unzufriedenheit mit manchen Dingen durchblitzen ließ, durfte ich mein Land bis 1982 nicht einmal in Richtung Jugoslawien verlassen“, erzählt der Künstler, der nach der Wende mit TV-Shows wie „Nimm Dir Zeit“, „Gunther und drüber“ und „Zauberhafte Heimat“ zum gesamtdeutschen Star avancierte.
Für seinen Mut, seinen eigenen Weg auch gegen Widerstände zu gehen, wurde Gunther Emmerlich 1997 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. „Das ist für einen Künstler eine ganz besondere Anerkennung“, sagt er. Stolz ist er auch auf den Medienpreis „Bambi“ und die Ehrenbürgerschaft seines Heimatortes Eisenberg, die ihm für sein Engagement rund um den Wiederaufbau des Kirchturms und die Rekonstruktion der barocken Kirche verliehen wurde. Trotz verlockender Angebote, in die pulsierenden Metropolen München oder Hamburg zu ziehen, denkt er nicht im Traum daran, dem beschaulichen Dresden den breiten Rücken zu kehren. „Mich kann man nicht so einfach verpflanzen, ich bin hier zu tief verwurzelt. Ich bin nun mal ein absolut bodenständiger Mensch.“
Aktuelles Album:
„Noah – Lieder aus der Zauberhaften Heimat“
Website:
http://www.emmerlich.de/
Quelle: Koch Universal Music




